+++ AKTUELL +++ IDD–Aufschub wird konkreter +++ AKTUELL +++ Update IDD-Umsetzung – wird die IDD-Anwendung verschoben?

Standpunkte

Statusklarheit
Mit wem hat es der Kunde zu tun?
Die IDD ist die Chance, eine berufs- und registerrechtliche Trennung zwischen Versicherungsagenten und -maklern sowie das Verbot einer Doppeltätigkeit gesetzlich zu regeln. Dies gilt für alle inländischen Versicherungsvermittler und für jede Vermittlungstätigkeit im Rahmen der Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit der EU. Vor Beginn der Tätigkeit des Versicherungsvermittlers muss der Kunde wissen, ob er von einem Vertreter einer Versicherung oder unabhängig beraten wird. Diese Information muss bereits beim Marktauftritt des Versicherungsvermittlers für seine Kunden ersichtlich sein.

Abschied vom Vermittler
Klare Trennung zwischen Agenten und Maklern
Die Bestimmungen der österreichischen Gewerbeordnung sollen derart geändert werden, dass künftig eine schlichte Gewerbeberechtigung und Eintragung in das Versicherungsvermittlerregister (GISA) als „Versicherungsvermittler“ nicht mehr zulässig sind, sondern entweder als „Versicherungsagent“ oder „Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten“ erfolgen müssen.

Offline und online
Beratungspflicht für alle
Für Versicherungsmakler ist die Beratung im Sinne der Abgabe einer fachlich kompetenten, persönlichen Empfehlung des am besten geeigneten Produkts, laut Maklergesetz, bereits verpflichtend. Die Gleichbehandlung aller Akteure des Versicherungsvertriebs ist ein wesentliches Grundprinzip der IDD – eine Versicherungsvermittlungstätigkeit darf daher für alle Versicherungsvertreiber nur mit Beratung möglich sein! Dies muss auch für Online-Portale gelten, wenn dort die Möglichkeit des direkten oder indirekten Vertragsabschlusses besteht.

Qualitätsstandards
Keine strengeren nationalen Regelungen
In Österreich wird bereits jetzt ein sehr hohes Niveau an Qualität von Versicherungsvermittlung und Kundenschutz gewährleistet. Ein sog. „gold plating“ würde zu Wettbewerbsverzerrungen führen ohne dem Kunden wirklich weitere Vorteile zu bringen. Der Geltungsbereich der IDD muss alle Vertriebsformen – insbesondere den Internetvertrieb und Vergleichsplattformen sowie den Bankenvertrieb – erfassen, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.

Honorierung
Provision soll bleiben – Honorar soll möglich sein
Das bestehende System der Provisionsverrechnung als Leitvergütung in der Versicherungsvermittlung muss aufrecht bleiben. Daneben soll eine Verrechnung auf Honorarnotenbasis für bestimmte Leistungen (z.B. besondere Beratungsleistungen, Schadenabwicklung) beibehalten werden können. Es sichert die solidarische Finanzierung der Beratung durch die Versicherten und damit den Zugang für alle Kunden, die eine Beratung wünschen. Eine einfache und nachvollziehbare Berechnung der Vergütung stellt sicher, dass intensive Beratungsleistung bei Verträgen mit niedrigen Prämien für den Kunden dennoch leistbar ist.

Transparenz
Keine Pflicht zur Offenlegung
In der österreichischen Versicherungswirtschaft sind ca. 60.000 Personen beschäftigt. Die Umsetzung der IDD sollte das Einkommen dieser Berufsgruppe nicht einschränken oder gefährden. Eine Pflicht zur Offenlegung würde dazu führen, dass der dadurch entstehende destruktive Wettbewerb negative Folgen auf viele Arbeitsplätze hätte. Auch die Rekrutierung von Personal, die bereits jetzt herausfordernd ist, wäre dadurch erschwert, denn gerade junge, neu im Versicherungsvertrieb beginnende Mitarbeiter wären von einem Provisionsverbot oder von einer Pflicht zur Offenlegung besonders betroffen.

Inhalte und Lehrpläne
Individuelle Regelungen bei Aus- und Weiterbildung
Jede Fachorganisation soll die Lehrpläne für die Weiterbildung der eigenen Mitglieder selbst definieren und die rechtliche Befugnis zur Zertifizierung von Weiterbildungsveranstaltungen erhalten. Jene Institution, die die Kriterien vorgibt, soll von jener Stelle, die die Einhaltung der Kriterien überwacht, getrennt und unabhängig sein. Die Zuständigen, die für die qualitative Weiterbildung verantwortlich sind, sollen relativ nahe bei den Berufsverbänden angesiedelt sein. Sowohl für Versicherungsmakler, die Versicherungsagenten und auch den angestellten Außendienst, ist eine individuelle Regelung für die Aus- und Weiterbildung vorzusehen.

Kontinuität
Aufsicht durch Gewerbebehörden
Die Aufsicht über Versicherungsmakler und Versicherungsagenten soll weiterhin bei den Gewerbebehörden liegen.

Leistungsfähigkeit
Absicherung gegen Insolvenz
Die derzeitige Regelung in der GewO hinsichtlich der Weiterleitung der für den Versicherer bzw. Kunden bestimmten Geldbeträge, die ausschließlich via offener Treuhandkonten bzw. Anderkonten möglich ist, ist nicht praxisgerecht. Wir schlagen – analog der geltenden deutschen Regelung – vor, dass Versicherungsmakler, die Gelder von Kunden für Versicherungen und/oder Versicherungen für Kunden entgegen nehmen müssen, über eine finanzielle Leistungsfähigkeit verfügen, die jederzeit 4% der Summe ihrer jährlichen Prämieneinnahmen, mindestens jedoch 18.750 Euro, entspricht.

Rechtssicherheit
Festlegung der Versicherungsanlageprodukte
Wir fordern Rechtssicherheit, welche Produkte als Versicherungsanlageprodukte gelten sollen und welche nicht. Von den für Versicherungsanlageprodukte zusätzlich geltenden Bestimmungen ausgenommen werden sollten jedenfalls
• die Pensionszusatzversicherung nach § 108b EStG,
• die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge nach § 108g EStG,
• sofort beginnende Rentenversicherungen,
• aufgeschobene Rentenversicherungen,
• Risikoversicherungen (Ablebens-, Pflege-, Begräbniskosten-, Berufsunfähigkeits-, Erwerbsunfähigkeits-, Arbeitsunfähigkeits-, Grundfähigkeits- und Dread-Desease-Versicherungen) und
• die betriebliche Altersvorsorge (betriebliche Kollektivversicherung, Zukunftssicherung nach § 3 Abs. 1 Z 15 EStG, Pensionsrückdeckungsversicherung, Abfertigungsrückdeckungsversicherung, 
  Abfertigungs- und Jubiläumsgeldauslagerungsversicherung).